Touch_Neuroscientific_horizontal_banner

Brain Science 03.2020
Progr. paper

Arzneimittelkommission (AkdÄ)

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft  1982 - 2006

Wer und was ist die AkdÄ? Welches sind ihre Ursprünge?

Im Konzert der großen und weiter zunehmenden Zahl von Akteuren in der heutigen gesundheitspolitischen Landschaft stellt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) einen besonders konstanten und an Bedeutsamkeit stets noch zunehmenden Faktor dar,- ein von standespolitischen wie kommerziellen Interessen unabhängiger Wegweiser zur therapeutischen Vernunft. (547; 570; Schröder et al. 2003).

Die AkdÄ wurde bereits 1911 als ein Organ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin gegründet, um dem schon damals als unerträglich und therapeutisch kontraproduktiv empfundenen Wildwuchs der Arzneimittelproduktion und der Werbung der pharmazeutischen Industrie ein kritisches Gegengewicht zu schaffen. Nachdem sie während des Nationalsozialismus, der dem Ideal einer völkischen Medizin verpflichtet war, ihre Aktivität einstellen mußte, etablierte sie sich 1952 neu als - der größte wissenschaftliche Fachausschuss der Bundesärztekammer -  und stellt damit eine in Europa einzigartige Institution dar. Ihre primäre Aufgabe war und ist die Beratung der deutschen Ärzteschaft in allen Fragen einer rationalen Arzneitherapie. (394) Sie betreibt außerdem zusammen mit dem BfArM das ursprünglich von der AkdÄ nach der Contergan-Tragödie erstmalig in Deutschland  eingerichtete Spontanmeldesystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen. (547). Auch wenn die AkdÄ aus Sicht der verfassten Ärzteschaft kein eigenes politisches Mandat besitzt, so ist doch ihre beratende Stimme in unzähligen gesundheitspolitischen Fragen und Entscheidungen  von der Politik  und Öffentlichkeit genau gehört worden. Diese Funktion ist nunmehr im Rahmen des AMNOG auch gesetzlich festgeschrieben.

Die AkdÄ besteht aus 40 wahlberechtigten ordentlichen und einer sehr viel größeren Zahl ehrenamtlich tätiger außerordentlicher Mitglieder. ( vgl. www.akdae.de) Ich selbst wurde 1982 aus mir heute noch unbekannten  Gründen direkt in den Vorstand der AkdÄ berufen, in dem ich bis 1993 unter dem Vorsitz von Prof. Scheler (Göttingen) tätig war. In diese Zeit fällt meine verantwortliche Tätigkeit an verschiedenen großen Projekten wie z.B. die Aufbereitung des Altarzneimittelmarktes für den Bereich der Psychiatrie und Neurologie als Vorsitzender der B3 Kommission am damaligen BGA (415;433) oder die jahrelange Arbeit im Projekt des damaligen Bundearbeitsministers Blüm Zur Arzneimitteltransparenz- und beratung in der Region Dortmund  zusammen mit dem Pharmakologen und  früheren Vorsitzenden der AkdÄ Prof. Dr. Hans  Friebel (Heidelberg) , der auch mein Mentor für die zweijährige Zeit als pharmakologischer Experte der Bundesregierung in Bangkok war.  (249; 287; 285; 313) .

Soll die AkdÄ aufgelöst werden? Berufung zum Vorsitzenden .

Nachdem durch innere Zwistigkeiten und Intrigen die AkdÄ in den frühen 90er Jahren fast gänzlich auseinander brach, wurde ich vom seinerzeitigen BÄK-Präsidenten Prof. Karsten Vilmar gebeten, einen neuen Vorstand zu bilden und die Kommission in eine neue, geordnete Zukunft zu führen. Im Dezember 1994 wählte mich die Mitgliederversammlung in Köln zum AkdÄ-Vorsitzenden. Dieses Amt hatte ich nach mehrfacher Wiederwahl bis 2006 inne, als ich mich nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Mein Nachfolger und seinerzeitiger Wunschkandidat in der Vorstandswahl 2006 war und ist bis heute  Prof. Dr. Wolf- Dieter  Ludwig, Onkologe am Klinikum Berlin-Buch , der die AkdÄ sehr erfolgreich und mit stets  positiver Resonanz in der Öffentlichkeit in eine neue Zeit geführt hat.

Geschäftsführer war 1992-2000 Dr.med. Karl-Heinz Munter, ab 2002 Prof. Dr. med. H.K. Berthold. Die jetzige Geschäftsführerin ist Frau Dr.med. Katrin Bräutigam.

Neustrukturierung der Geschäftsstelle. Erste Herausforderungen.

Die frühere, von mir immer als diskriminierend empfundene Unterscheidung zwischen “€žengerem” und “erweitertem” Vorstand schaffte ich sofort ab. Meine Partner im Vorstand waren in ihrem jeweiligen Fachgebiet ausgewiesene Experten, deren Rat und Erfahrung ich auch bei Meinungsverschiedenheiten immer ernst nahm. Es war eine wundervolle und von gegenseitiger Loyalität, ja Freundschaft getragene Zusammenarbeit über viele Jahre, für die ich bis heute  dankbar bin. Dr. Munter  brachte aus der Wirtschaft Erfahrung in modernem Management mit, und so wurden langsam aber stetig die verschiedenen Aufgabenbereiche in der Kölner Geschäftsstelle neu organisiert und gegenüber den Mitgliedern transparent gemacht. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin gewann so ein eigenes Profil und wurde im jeweiligen Arbeitsbereich Ansprechpartner für Vorsitzenden und die Vorstandsmitglieder. Eine sinnvolle Nutzung moderner EDV-Möglichkeit wurde ein weiterer Arbeitsschwerpunkt. Vorsitzender und Geschäftsführer waren gemeinsam der Meinung, dass die Kommission angesichts der veränderten gesundheitspolitischen Gegebenheiten ihren traditionellen Auftrag im neuen Millenium nur würde effektiv erfüllen können, wenn sie sich ernsthaft und im Detail mit den Möglichkeiten und Restriktionen einer modernen Kassenarztpraxis und der Denkweise der KBV vertraut machen würde, (z.B. 411; 448; 450) um nicht - so ein in der Vergangenheit öfters gehörter Vorwurf von hausärztlich tätigen Kollegen, aber auch Politikern - im akademischen Elfenbeinturm der pharmakologischen reinen Lehre zu verharren.  Gleichzeitig stiegen freilich auch die Ansprüche an eine strikt wissenschaftliche , evidenz-basierte Begründung von Empfehlungen, Bekanntgaben, Gutachten usw . Der Spagat, der hier öfters gefordert war und wird, traf nicht immer auf das Verständnis aller AkdÄ-Mitglieder.

EBM -Leitlinien- “€žTherapieempfehlungen”.

Diese Gratwanderung zeigte sich in den 90er Jahren exemplarisch in der von Prof. Lasek geleiteten Arbeit an den neu geschaffenen “Therapieempfehlungen” der AkdÄ, die seinerzeit zu den ersten evidenz-basierten Leitlinien gehörten. Ihre Erarbeitung und Herausgabe war zunächst auch im Vorstand umstritten, wurde aber schon bald vom Präsidenten der BÄK als Weg zu einer rationalen Medizin und “Korridor der Ärztlichen Vernunft” positiv bewertet. Nicht immer einfach war es , den Konsens mit der jeweils zuständigen Fachgesellschaft zu finden. So führten etwa  die Therapieempfehlungen zu den Fettstoffwechselstörungen, zur Demenz aber auch zur Depression zu teilweise heftigen Kontroversen, ja gelegentlich auch dem Austritt von ehemaligen AkdÄ-Mitgliedern. Freilich fühlten Prof. Lasek und ich uns auch genötigt, vor einer Überschätzung und nicht vernunftgeleiteten Anwendung der Prinzipien der EBM zu warnen. (468) Bis 2006 hatte die AkdÄ Therapieempehlungen zu 20 hausärztlich wichtigen Indikationen (teilweise auch in mehreren Auflagen) veröffentlicht.

1995: Erste Fortbildungsveranstaltungen. Vertragsärztliche Verbindlichkeit der “Therapieempfehlungen” der AkdÄ.

Auf der Basis der Therapieempfehlungen (vgl. www.akdae.de) begannen wir schon 1995 mit der Organisation eigener spezifischer Fortbildungsveranstaltungen, auf denen jeweils die Entwürfe neuer Therapieempfehlungen der Fachöffentlichkeit zur Diskussion  gestellt wurden .(442; 445; 462; 468;  575)  Inzwischen führt die AkdÄ jährlich 4-6 derartiger Veranstaltungen in Kooperation mit einzelnen Landesärztekammern durch. 1996 wurde im Arbeitsausschuss “Arzneimittelrichtlinien” klar gestellt, dass die “€žTherapieempfehlungen” der AkdÄ in der vertragsärztlichen Praxis zu berücksichtigen sind und dass weder KBV noch die Kassen Einfluss auf ihren Inhalt nehmen dürfen.

Umgang mit Interessenkonflikten.

Schon kurz nach der Amtsübernahme fühlte ich mich genötigt, mich mit Interessenkonflikten einzelner Mitglieder und mit dem Problem der großen Zahl pharmagesponsorter ärztlicher “Fortbildungs”-Veranstaltungen  auseinanderzusetzen. (570641) Bereits 1995 konnte nach längerer erregter Diskussion eine erste Unabhängigkeitserklärung in der Mitgliederversammlung verabschiedet werden, 2002 dann nochmals eine erweiterte “positivere” Erklärung. ( Die professionalisierte Fortsetzung dieser ersten Bemühungen um weitgehende Unabhängigkeit der AkdÄ Mitglieder findet heute ihre Fortsetzung im Fachausschuss der AkdÄ zur “Transparenz und Unabhängigkeit”. )

Erfassung und Bekanntmachung unerwünschter Arzneimittelwirkungen.( AkdÄ und BfArM. AkdÄ und Deutsches Ärzteblatt).

1995 wurde auf dem Gebiet der Erfassung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) die Zusammenarbeit zwischen AkdÄ und dem BfArM durch eine neue Vereinbarung zwischen Bundesinstitut und Bundesärztekammer auf eine neue Grundlage gestellt. Die AkdÄ entwickelte mit dem System “Phoenix” eine neue Software ,um eingehende UAW-Meldungen schnell und effektiv zu analysieren und zu verwalten. (477; 487) 1996 konstituierte sich auch der Ärzteausschuss “Arzneimittelsicherheit” neu , der aus Vertretern des BfArM und der AkdÄ besteht und bis heute regelmäßig zusammen kommt.

Sehr klärungsbedürftig war in diesen Jahren auch das oft nicht einfache Verhältnis zwischen AkdÄ und Deutschem Ärzteblatt (DÄ) ,nachdem eine Bekanntgabe zu “€žCordichin” vom Hersteller erfolgreich beklagt worden war. (400) . Der Deutsche Ärztetag stimmet deshalb 1995 mit großer Mehrheit für den Antrag eines Delegierten, dass die BÄK der AkdÄ adäquate Publikationsmöglichkeiten im DÄ einräumen sollte. Gegen redaktionelle Bevormundung seitens des DÄ wehrte sich die AkdÄ 1996 durch die Einrichtung eines eigenen “Fax-on-Demand”- Service. 1995 wurde im sog. “Maulkorb-Urteil” des OVG Münster freilich gerichtlich untersagt, relevante Tatsachen zur Arzneimittelsicherheit aus einem laufenden (öffentlichen !) Stufenplanverfahren  zu publizieren. Eine Intervention des BÄK-Präsidenten beim damaligen Minister Seehofer war dann jedoch erfolgreich : In der 6. Novelle zum AMG vom 27.12.96. wurde das BfArM autorisiert, die AkdÄ zu beauftragen, die Öffentlichkeit über laufende Stufenplanverfahren zu unterrichten.

Probleme mit der KBV.

1997 wurde das Verhältnis der AkdÄ zur KBV, die zu 50 % die Kosten der Geschäftsstelle finanziert durch drastische Mittelkürzungen erheblich belastet. Teile der KBV vertraten die Meinung,” dass ... die Schwerpunkte der AkdÄ... keineswegs geeignet seien, ein zusätzliches finanzielles Engagement der KBV zu begründen.” An anderer Stelle hieß es : “€žJe weniger also die Therapieempfehlungen der AkdÄ von Einsichten in die unabweisbaren Sparzwänge einer gesetzlichen Krankenversicherung geprägt sind,  desto höher werden tendenziell die Arzneimittelausgaben, wodurch wiederum über den Weg der Verknappung der Gesamtvergütung weniger auch zur Finanzierung der Tätigkeit der Arzneimittelkommission zur Verfügung steht...” ( Schröder et al. 2003)

Medikamente im Internet, Life-Style-Medikamente, Alternative Heilmethoden.

Starkes Presseecho fand 1997 ein kritischer Vorstoß der AkdÄ gegen den Bezug von Medikamenten im Internet. (Heutzutage gibt es in der auch von der AkdÄ und von mir persönlich redaktionell mitgetragenen unabhängigen Zeitschrift “GutePillenSchlechtePillen” eine ständige Rubrik “€žGepantschtes”, wo jeweils auch vor speziellen medikamentösen “€žInternetblüten” gewarnt wird.)

Erhebliche Irritationen löste auch die kritische Auseinandersetzung der Kommission mit Life-Style Medikamenten sowie mit den alternativen Heilmethoden incl. Homöopathie aus. Selten habe ich als Vorsitzender soviel Schelte bekommen vergleichbar nur mit dem Gewitter der deutschen Frauenärzte, das auf mich herabging, wie wir uns kritisch mit der Anwendung von Hormonen in der Menopause auseinandersetzten (Vgl. Bekanntgabe im DÄ 2001, Heft 41, S. 2674)  Die Fälle der empörten Leserbriefe als Reaktion auf eine Publikation der AkdÄ (Presse-Slogan: Keine Glaubensmedizin auf Krankenschein!) hätte gut 20-30 Seiten im DÄ füllen können. (466; sowie Bekanntgabe im DÄ 1998, Heft 14, S.800) Wir können uns zugute halten, daß seitdem und im Rahmen der Forderungen von EBM die gesetzliche Protektion der “Besonderen Therapierichtungen)  doch deutlich kritischer gesehen wird.

Die “Arzneiverordnungen” 18. und 19.Auflage.

Das Standardwerk der AkdÄ „seit Jahrzehnten die “Arzneiverordnungen” erschien, inzwischen auf fast 1000 Seiten angewachsen, und völlig neu bearbeitet mit insgesamt nur 800 ausdrücklich empfohlenen Wirkstoffen 1997 in 18., 1999 in 19. Auflage.  Die Hoffnung jedoch, dass dieses einzige von dem zuständigen Organ der verfassten Ärzteschaft herausgegebene, unabhängige und kritische Therapiebuch mit Unterstützung der kassenärztlichen Vereinigungen einen speziellen Platz in der Beratung und Fortbildung der Vertragsärzteschaft einnehmen würde, haben sich bis heute nicht erfüllt. Dies gilt auch für die 2009 in einem neuen Verlag erschienene 22. Auflage, die unter meiner Leitung und mit maßgeblichem Engagement meiner seinerzeitigen Sekretärin Anke Schlicht sowie extern  von Dr. Munter  völlig neu bearbeitet worden war und eine noch striktere Trennung von empfohlenen und nur erwähnten Wirkstoffen  sowie eine von einem kleinen Gremium aus  Hausärzten und Pharmakologen erstellte restriktive Liste von  “Essential drugs”  enthielt.

Der Lipobay-Skandal.

Im Jahre 2000 hatte Dr.Munter die Kölner Geschäftsstelle als Geschäftsführer verlassen um sich nochmals einer Aufgabe in der freien Wirtschaft zu widmen- ohne die Restriktionen, die für eine dynamische Persönlichkeit  mit einer Tätigkeit innerhalb der verfassten Ärzteschaft naturgemäß verbunden sind . Sein Fehlen wirkte sich ungünstig auf den Umgang der Kommission mit dem Lipobay®-Skandal in 2001 aus, der das gegenseitige Verhältnis von AkdÄ und BfArM zeitweise erheblich belastete. Kritische Stimmen innerhalb und außerhalb der AkdÄ äußerten Unverständnis dafür, dass eine zusammenfassende kritische Stellungnahme der Kommission  zu Lipobay® erst im Frühjahr 2002 ,also post festum im DÄ erschien. Einer der Gründe hierfür war, dass Lipobay® europäisch zugelassen war, sodaß bestimmte von Bayer immer wieder angeführte “€žvertrauliche” Studienergebnisse nicht einmal mir als Vorsitzenden zur Verfügung standen. (Vgl. 543)

50 Jahre AkdÄ als wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer.

Das 50 jährige Bestehen der Kommission als Fachausschuss der BÄK ( Konstituierende Sitzung am 26./27.4.1952 in Göttingen)  wurde 2002 in einem Festakt gefeiert (vgl. 547638),auf dem der Philosoph Peter Sloterdijk den Plenarvortrag hielt. Ich nannte damals fünf Gründe, die m.E. die Existenz der AkdÄ im nationalen gesundheitspolitischen Raum  notwendig machen und mir heute so essentiell erscheinen wie vor 15 Jahren:

     - Angesichts der vielfältigen Interessen, die heutzutage die medizinische Informationsflut
       steuern, bedarf es einer weitgehend unabhängigen Institution, die diese Information und
       auch bewusste Desinformation kritisch sichtet, filtert und das für die ärztliche Tätigkeit
       und sein Primärinteresse Wesentliche daraus in vergleichender Darstellung extrahiert.

     - Es bedarf einer Institution, die frei und kompetent ist, auf Probleme der
       Arzneimittelsicherheit adäquat hinzuweisen, und die in der Erfüllung solcher Aufgabe
       nicht durch gesetzliche und staatliche Restriktionen oder durch Rücksichtnahme
       auf nationale Wirtschaftsinteressen behindert wird.

     - Für die Propagierung und Durchsetzung einer rationalen und bezahlbaren Arzneitherapie
       bedarf es einer Institution, die in der Lage ist, die Informationsstrategien und politischen
       Aktivitäten der Pharmaindustrie klar getrennt zu sehen von den Interessen primär
       gesundheitsorientierter Institutionen. Es bedarf einer Institution, die solche Interessen
       rechtzeitig erkennt, furchtlos auch nach außen hin benennt und durch eigene informative
       Aktivitäten beantwortet - zugunsten therapeutischer Vernunft.

     - Es bedarf einer unabhängigen ärztlichen Institution, die bei aller Anerkennung und
       detaillierte Kenntnis heutiger ökonomischer Zwänge als Basis eine wissenschaftlich
       ausgerichtete moderne Medizin vertritt und aus dieser Perspektive wirkungsvoll
       dysrationalen Attitüden von Kassen und staatlichen Organisationen überzeugend
       begegnen kann.

     - Therapiefreiheit kann in einem positiven Verhältnis zu therapeutischer Vernunft stehen.
        Leider wurde sie lange von manchen ärztlichen Vertretern als therapeutische Beliebigkeit
        mißverstanden. (“Wer heilt, hat recht.”) Es bedarf auch im ärztlichen Binnenverhältnis
       einer unabhängigen und (selbst-)kritischen , gegebenenfalls auch den Vorwurf der
       Ärzteschelte nicht scheuenden Institution, die innerärztlich ihre Stimme erhebt, wenn
       ärztliche Praxis sich von den Prinzipien entfernt, die sich in den vorgegebenen und
       examinierten Lehrinhalten eines staatlich approbierter Berufsstandes , aber auch in der
       Charta der europäischen Internisten finden.

Auf dem Hintergrund dieses Bedarfs sagt damals der Präsident einer Landesärztekammer: “Gäbe es die AkdÄ nicht schon, müsste sie erfunden werden.”

Das neue Millenium . Verbesserung der Arzneitherapiesicherheit.

In den kommenden Jahren traten für uns drei Themen zunehmend in den Vordergrund: Das Problem der Finanzierbarkeit einer strikt evidenz-basierten modernen Arzneitherapie (441569; 574; 578; 591; 618 ) , die mühsame und chronisch streitbehaftete Arbeit an der elektronischen Gesundheitskarte, deren Einführung wir immer ,v.a. um der verbesserten Arzneitherapiesicherheit willen, befürwortet haben (593;598) ,sowie das Problem der Interessenkonflikte innerhalb der deutschen Ärzteschaft. (450570; 597; 603638; 641; 649 )

Auch 2004 ist für mich als Psychopharmakologen ein besonderes Jahr geworden : Nachdem wir uns bei der AkdÄ  schon in früheren Jahren mit der suizidprovozierenden Wirkung einer speziellen Antibiotikagruppe beschäftigt hatten (465), wurden wir auf vereinzelte Berichte in der Literatur aufmerksam, die für eine geradezu paradoxe unerwünschte Wirkung  der modernen SSRI-Antidepressiva sprachen: Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sollten sie Suizidideen und suizidale Handlungen auslösen können. Eine genaue Analyse unseres eigenen Datenmaterials aus dem Spontanerfassungssystem bestätigte diesen Verdacht, der sich freilich auch auf Erwachsene bezog. In 2004 veröffentlichte die AkdÄ nach langen Recherchen und Diskussionen im UAW-Ausschuss im DÄ das Ergebnis ihrer Analyse. Dies war die erste innerärztliche  offizielle Warnung in Deutschland vor dieser u.U. fatalen Nebenwirkung, die jedoch bei vielen  Meinungsbildnern der deutschen Psychiatrie  eher Ärger und Gegenaktionen  als Interesse hervorrief. Erst später ergaben sich durch individuelle, mühsame Recherchen außerhalb der AkdÄ  Hinweise, dass bereits in den Zulassungsunterlagen zumindest eines SSRI-Antidepressivum dieses erhöhte Suizidalitätsrisiko im Prinzip zu erkennen war.  (602632; 658; 660) Mir wurde auch an diesem Beispiel zunehmend bewusst, dass Optimierung der Arzneitherapie insbesondere auch ihrer Sicherheit zu gelten hat, und dies insbesondere dann, wenn die Wirksamkeit nicht unbedingt überzeugend ist,- wie es bei den Antidepressiva der Fall ist, denen leider auch keine das Suizidrisiko vermindernde Wirksamkeit zukommt.  (658

In den letzten Jahren meiner Vorsitzendentätigkeit gelang uns durch das nicht nachlassende  Engagement des  Vorstandsmitglieds Prof. Dr. Daniel Grandt ( Saarbrücken) und durch das verständnisvolle Entgegenkommen der seinerzeitigen Bundesministerin Ulla Schmidt, unterstützt durch den kenntnisreichen Ministerialbeamten Dr.Horst Möller,  ein wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiet der Arzneitherapiesicherheit ,d.h. die Etablierung des “€žAktionplans zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland”, den das Bundesgesundheitsministerium im Herbst 2007 ins Leben rief und der inzwischen zum dritten Mal fortgeschrieben und auch auf dem “ 4. Deutschen Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie” wiederum vom BMG vorgestellt wurde. (598;625) Die Koordinierung der darin geplanten und inzwischen auch erfolgreich durchgeführten Projekte  lag von Anfang an nach dem Willen der Bundesregierung bei der inzwischen nach Berlin umgezogenen Geschäftsstelle der AkdÄ. ( Details auf www.akdae.de )

Vergleiche Vortrag 002

BMOE AkdÄ_50_003

Prof. Müller- Oerlinghausen  Vors. AkdÄ 1994 - 2006

Festansprache anlässlich des 50 jährigen Bestehens der Arzneimittelkommission imJahr 2002

Ludwig

Prof. Dr. med. Wolf- Dieter Ludwig Vors. der AkdÄ seit 2007

Fr. Dr. Braeutigam_GF_AkdÄ

Dr. med Katrin Bräutigam Geschäftsführerin der AkdÄ seit 2012

Munter

Dr. med Karl- Heinz Munter, Geschäftsführer 1992 - 2000

2016-04-15 (4)

Mitgliedersammlung 1994, Wahl des neuen Vorstands.
Li. Dr. Schorre, KBV- Vorsitzender, re. Prof. Dr. Vilmar, Präsident der BÄK

TE-Übersicht-2006
AkdÄ_Vorstand Kressbronn_Prof.Höffler_Prof. Gugler_Dr. Harjung_Prof Haustein_

AkdÄ_Vorstandssitzung Kressbronn Prof.Höffler Prof. Gugler Dr. HarjungProf Haustein

Glaubensmedizin auf Krankenschein
Arzneiverordnung_erste Ausgabe
Vorstand-JUN2002_002

AkdÄ Vorstand 2002 erste Reihe v.li. : Prof. Höffler, Dr. Friebel (BÄK), Prof. Müller- Oerlinghausen, Prof. Gugler, Dr. Harjung. 2 Reihe v. li.: Prof. Ludwig, Prof. Berthold, Dr. Hansen (KBV).

Berthold

Prof. Dr. H. Berthold Geschäftführer ab 2002

BMOE AkdÄ_50_Slotderdyk001

Prof. Peter Sloterdijk bei der Festveranstaltung der AkdÄ 2002

Prof.Grandt_red01

Prof. Dr. med Kai Daniel Grandt

Schmidt

Ulla Schmidt Bundesgesundheitsministerin 2006

_